Gesichtserkennung auch im Cyber Valley beenden

Pressemitteilung vom 12.6.2020

Gesichtserkennung auch im Cyber Valley beenden

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd und den dadurch induzierten Massenprotesten gegen rassistische Diskriminierung hat der US-amerikanische Technologiegigant IBM angekündigt, nicht nur aus dem Geschäft mit Gesichtserkennung auszusteigen, sondern auch jegliche Forschung hierzu einzustellen. Als Grund nennt das Unternehmen die damit einhergehenden Möglichkeiten zur Massenüberwachung und die dabei immer wieder auftretende Diskriminierung von Minderheiten. Dies berichten zahlreiche US-amerikanische Medien übereinstimmend und hierzulande u.a. das Redaktionsnetzwerk Deutschland (https://www.rnd.de/digital/usa-tod-von-george-floyd-ibm-beendet-geschaft-mit-gesichtserkennung-NP4WJG6ZB5DT3B6JPSEG5EPTQA.html). Auch Amazon hat nun offenbar vorübergehend die Anwendung seiner Gesichtserkennungs-Software ‚ReKognition‘ durch die US-Polizei „untersagt“ (https://www.tagesschau.de/ausland/amazon-gesichtserkennung-101.html).

Das Bündnis gegen das Cyber Valley begrüßt den überraschenden Schritt von IBM und fordert, dass auch in den am Cyber Valley beteiligten Institutionen die Forschung zur Gesichtserkennung eingestellt wird. Die Landesregierung Baden-Württemberg als Impulsgeber für die Forschungskooperation Cyber Valley führt aktuell einen Pilotversuch zur ‚intelligenten Videoüberwachung‘ am Mannheimer Hauptbahnhof durch. Amazon als einer der wichtigsten Industriepartner des Cyber Valleys gilt als Pionier und treibende Kraft der automatischen Gesichtserkennung und baut aktuell in Tübingen ein Entwicklungszentrum für maschinelles Lernen. In unmittelbarer Nähe hierzu soll in Kürze ein weiteres solches Entwicklungszentrum des Unternehmens Bosch entstehen. Auch Bosch ist in der Sparte Gebäudetechnik mit der Übernahme von Anteilen des israelischen Unternehmens ‚Anyvision‘ 2018 groß in das Geschäft mit der Gesichtserkennung eingestiegen. An der Universität Tübingen werden u.a. am Lehrstuhl für Kognitive Systeme im Fachbereich Informatik Systeme zur Gesichtserkennung optimiert (z.B. http://www.cogsys.cs.uni-tuebingen.de/forschung/terminiert/face_tracking/index.html). Dabei kommen häufig sog. ‚Künstliche Neuronale Netzwerke‘ zum Einsatz, wie sie am Cyber Valley u.a. mit Mitteln der US-Geheimdienste weiterentwickelt werden (s. http://www.imi-online.de/2020/05/15/cyber-valley-mpi-und-us-geheimdienste/).

„Das Bündnis gegen das Cyber Valley hat wiederholt darauf hingewiesen, dass hier insbesondere Forschung zum maschinellen Sehen und zur Situationserkennung betrieben wird und dass damit auch neue Überwachungstechnologien entwickelt werden, die zur Diskriminierung von Minderheiten neigen und u.a. bei Militär, Grenzschutz und Polizeien zur Anwendung kommen“, so Leo vom Bündnis gegen das Cyber Valley. „Während immer wieder auf die vermeintlichen Europäischen Werte verwiesen wurde, müssen wir feststellen, dass zumindest bei der Gesichtserkennung die ethische Debatte in den USA viel weiter ist. Dort haben schon mehrere Großkonzerne darauf hingewiesen, dass man der Entwicklung und Anwendung solcher Technologien Grenzen setzen müsse“. Die jetzige Entscheidung von IBM solle man sich im Cyber Valley zum Vorbild nehmen, anstatt munter draufloszuforschen und jede Verantwortung für den Einsatz solcher Technologien von sich zu weisen. Außerdem sei der Ausstieg von IBM aus der Gesichtserkennung ein klares Indiz dafür, dass eine diskriminierungsfreie Anwendung solcher Überwachungs- und Kategorisierungssysteme schlicht nicht realisierbar ist.

Kontakt: info [ at ] nocybervalley.de